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Matthias Dohmen

Männer im Tal

Porträts

Genre: Prosa
Seiten: 116
ISBN: 978-3-944566-83-2
Bemerkung

EUR 14,00

Anzahl

Nach dem Frauenbuch jetzt ein Männerbuch. Was hat mich dazu ermutigt?
Einmal, dass es auf die 27 Frauenporträts so viel positive Resonanz gab, dass es vermutlich Ende des Jahres eine zweite erweiterte Auflage geben wird. Und zweitens: Die Menschheit besteht nun mal aus zwei Geschlechtern. Auch im Tal der Wupper.
Wieder ist der Reigen bunt gemischt: Geschichte und Geschichten aus Barmen und Elberfeld, Ronsdorf und Oberbarmen, der Nordstadt oder Vohwinkel. Menschen wie du und ich. Etwa Andreas Bialas, Bernd Bigge, Klaus Burandt, Lutz-Werner Hesse, Michael Kozinowski, Karl Otto Mühl, Willfried Penner, Hermann Schulz, Peter Vaupel, Manfred Zöllmer. Storys aus dem größten deutschen Bahnhof, über Lichtinstallationen, über Saiten und noch mehr Seiten, den Wehrbeauftragten, Entwicklungshilfe, Stadtsparkasse, viel Karneval und 60 Dienstreisen nach Übersee.
Als positiv wurde in einigen Rezensionen des Frauenbuchs hervorgehoben, dass die einzelnen Porträts unterschiedliche Akzente setzen. Kein Wunder, wurden sie doch, soweit nicht für die Sammlung neu geschrieben, für verschiedene Medien verfasst, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen und, profan, unterschiedliche Vorgaben allein schon zur Länge des Artikels machten.
Einem Beitrag von Klaus Schumann, der an anderer Stelle abgedruckt ist, entnehme ich eine Äußerung von Heinrich Heine, die mir sehr aus dem Herzen spricht. Demnach ist jeder einzelne Mensch „schon eine Welt, die mit ihm geboren wird und mit ihm stirbt, unter jedem Grabstein liegt eine Weltgeschichte“.
Was ist den hier versammelten Geschichten dann aber gemeinsam? Der Autor natürlich, seine (hoffentlich) empathische Sicht auf andere. Auf Dicke und Dünne, auf Choleriker und Phlegmatiker, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Wissenschaftler und Handarbeiter, Viel- und Wenigleser.
Und Freunde.

Über sie zu schreiben, kann anstrengend sein. Als sich die Arbeit an diesem Buch dem Ende zuneigte, waren noch drei Porträts offen, und zwar diejenigen von Udo Gothsch, von Klaus Schumann und von Reinhard Giebel.
Bei dem viel zu früh verstorbenen Udo Gothsch (neben ihm gibt es nur einen nicht mehr Lebenden bei diesen Porträts, nämlich Klaus Dieter Peters) konnte ich auf ein fertiges Manuskript zurückgreifen, dem ich den von mir verfassten und, man verzeihe, arg kommuniquéhaften Nachruf der Karnevalsgesellschaft Prinzengarde angefügt habe. Klaus Schumann habe ich dann noch geschafft, aber bei Reinhard Giebel ging mir die Puste aus. Ich habe in dieser Situation zu dem Kunstgriff gegriffen, eine Kürzestfassung seines Lebens zu schreiben und eine seiner Storys abzudrucken, die stark autobiographischen Charakters ist: Wie könnte man mehr über einen Schriftsteller erfahren als aus einer eigenen Geschichte?
Bei den Personen, die auf den folgenden Seiten Revue passieren, handelt es sich wieder um prominente und weniger bekannte Menschen. Schon länger habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, hidden champions, verborgenen Helden, ein kleines Denkmal zu setzen. Historiographisch nennt sich das Alltagsgeschichte, und einer derjenigen, die dieser Kategorie in Deutschland zum Durchbruch verhalfen, war Jürgen Kuczynski, übrigens ein Elberfelder. Er war Jude und Kommunist, und von beiden haben wir ja wenig genug.
Alltagsgeschichte reklamiere ich auch für den Umstand, dass im Personenregister ausnahmslos alle stehen, die in diesem Buch vorgestellt, in den Porträts, dem Vorwort oder den Fotonachweisen erwähnt oder von denen es heißt, dass sie gelesen werden.

Schlussendlich: Kein Vorwort ohne Danksagungen.

Ohne Guido Werner, ohne Michael Schättler und ohne die korrigierende Brigitte Dohmen, ohne Bernd Bigge und Rolf Träger und einige mehr wäre dieses Werk nicht zustande gekommen oder nicht zu diesem Zeitpunkt. Dafür also ein herzliches Dankeschön.
Nicht vergessen werden sollen das Engagement des Verlegers, Layouters, Druckers und Beraters Ralf Liebe und des Buchhändlers (und ebenfalls Viellesers) Michael Kozinowski, in dessen Buchhandlung dieses Heimatbuch vorgestellt wird. Ein Heimatliteraturbuch ist es insofern, als wer immer irgendwann die Literatur des Bergischen Landes beschreiben wird, im Register viele Gegenwartsautoren von Rang finden wird: von Tankred Dorst über Else Lasker-Schüler bis zu Michael Zeller.

Zu Heimatbuch noch eine letzte Bemerkung.

Mit dem Wort Heimat wird, dies hat eine Tradition in Deutschland, mal wieder Schindluder getrieben. Es wird abgrenzend benutzt, wo es integrierend wirken könnte. Die wirklich große deutsche Literatur des vergangenen Jahrhunderts lehrt in der Tradition der deutschen Klassik Freundschaft, Ehre und Achtung vor dem einzelnen und nicht das Heruntermachen ganzer Gruppen. An den Aufbruch von 1968 erinnert der ehemalige Sparkassen-Chef Peter Vaupel. Er ist einer der 27 Männer, die hier zwischen zwei Buchdeckeln vorgestellt werden und die auf keine „rechte“ Demonstration passen. Freunde, keine Freundchen.

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