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Elias Bierdel

Ende einer Rettungsfahrt

Das Flüchtlingsdrama der Cap Anamur

Genre: Sachbuch/Essay
Seiten: 232
ISBN: 978-3-935221-65-8
Bemerkung gebunden

EUR 19,80

Anzahl

Im Sommer 2004 machte die Rettung von 37 afrikanischen Schiffbrüchigen durch das deutsche Hilfsschiff „Cap Anamur“ im Mittelmeer kurzfristig Schlagzeilen. Die italienischen Behörden verweigerten der „Cap Anamur“ die Einfahrt in einen sicheren Hafen. Schnell wurde der Fall zu einem europäischen Politikum. Der damalige Bundesinnenminister Otto Schily und sein italienischer Amtskollege Beppe Pisanu erklärten am Rande einer EU-Innenministerkonferenz in Sheffield, es gehe nun darum, „einen gefährlichen Präzedenzfall zu verhindern“!
Was damit gemeint war, zeigte sich wenig später. Als nach zehn Tagen der Blockade auf See die Lage an Bord unerträglich wurde und die Geretteten damit drohten, sich ins Meer zu stürzen, rief der Kapitän den Notfall aus – und verlangte ultimativ die Genehmigung zum Einlaufen. Die Behörden signalisierten zunächst ein Einlenken – um anschließend nur um so härter zuzuschlagen:
Die 37 geretteten Schiffbrüchigen wurden umgehend in Abschiebelager gebracht und entgegen allen geltenden Rechtsnormen buchstäblich aus dem Land geprügelt. Die Verantwortlichen von der „Cap Anamur“ sperrte man unter dem Vorwurf des Menschenschmuggels ins Gefängnis, das Schiff wurde als „Tatwerkzeug“ beschlagnahmt und an die Kette gelegt.
Während in Italien ein breites Bündnis aus Oppositionsparteien, Gewerkschaften und Kirchen gegen dieses Vorgehen demonstrierte, nahm die deutsche Öffentlichkeit nur Bruchstücke des Geschehens wahr – und das auch noch im Zerrspiegel einer zum Teil hämischen und verleumderischen Medienberichterstattung.
Hier wird erstmals die ganze Geschichte der „Cap Anamur“ erzählt – vom Umbau im Lübecker Hafen bis zur Beschlagnahme in Porto Empedocle auf Sizilien. Dies vor allem, um an tausende Flüchtlinge zu erinnern, die bisher bei ihren verzweifelten Versuchen, von Afrika nach Europa zu gelangen, namenlos den Tod gefunden haben.
Zugleich soll es das Schicksal jener vor Augen führen, die ihnen noch folgen werden. Denn das große Sterben vor den Toren unserer Wohlstands-Festung geht weiter.

Mit einem Vorwort von Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul
und einem Nachwort von Karl Kopp (PRO ASYL) sowie
über 100 bislang unveröffentlichten Fotos und Dokumenten

PRESSESTIMMEN

Bierdels Buch ist ein Angebot an alle, die sich über die zunehmende Abschottung an Europas Grenzen informieren wollen. Sein Report ist politischer und höchst aktueller Journalismus, der das Unrecht an den Grenzen der Festung Europa auf packende Weise zu thematisieren weiß und dabei Stellung bezieht.
taz NRW, 14.11.2006

Elias Bierdel hat mit seiner Darstellung dieses „Endes einer Rettungsfahrt“ ein faktisch fundiertes, fesselndes und leidenschaftliches Plädoyer für seine und die Unschuld der beiden Mitangeklagten verfasst. Als erfahrener Journalist skizziert er in Form eines akribisch und lückenlos geführten Bord-Tagebuchs mit größter Objektivität die Ereignisse und Zustände an Bord; in deren Mittelpunkt rückt er stets die Verfassung der Geretteten. Seine Notate beziehen sich, zumeist kritisch, in besonderem Maße auf die Reaktionen der Medien und der italienischen und deutschen Regierungsstellen, war der „Fall“ zwischenzeitlich doch zu einem heiklen Politikum geworden.
d´Lätzebuerger Land, 3.11.2006

Eine persönliche Abrechnung will das reich bebilderte Buch keinesfalls sein, vielmehr werden dem Leser eindringlich die haarsträubenden Verhältnisse vor den Küsten Europas deutlich gemacht, wo mit Wissen der Wohlstandsstaaten tagtäglich Menschen aus den ärmsten Ländern der Welt in den sicheren Tod geschickt werden.
Kölner Stadt-Anzeiger, 2./3.09.2006

(…) Vor allem aber machen sich die Medien über das Thema her. Unter Führung des ARD-Magazins Panorama wird Elias Bierdel mit den absurdesten Vorwürfen überhäuft (…) Zumindest publizistisch ist es Bierdel indes gelungen, sich glänzend zu verteidigen und in einem bei allem Engagement dennoch sehr sachlichen Buch den Verlauf der Affäre zu schildern. Heidemarie Wieczorek-Zeul gibt ihm im Vorwort Schützenhilfe – eine schallende Ohrfeige für ihren ehemaligen Kabinettskollegen Schily. (…)

Süddeutsche Zeitung, 20.08.2007

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