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Ingeborg Vianden

Bürger Hall - Maire von Zülpich

Das Leben des Ludwig Peter Tilmann Hall, 1744-1816

Genre: Prosa
Seiten: 175
ISBN: 978-3-944566-16-0
Bemerkung

EUR 20,00

Anzahl

"Als Anfang der 80er Jahre das „Inventar der Urkunden des Pfarrarchivs St. Peter zu Zülpich“ und ein Findbuch erstellt wurden, bat man mich, die sogenannten Dekanatsakten in ähnlicher Weise zu bearbeiten. Das Entziffern der Schriftstücke war eine mühselige, aber auch spannende Arbeit, und so habe ich sie vollständig transskribiert und wenn nötig übersetzt, so dass sie für jedermann lesbar sind. Unter den Akten befanden sich auch über vierzig Briefe in französischer Sprache, die Korrespondenz des Bischofs von Aachen mit dem Kantonalpfarre von Zülpich und einige Schreiben von anderen Personen, unter anderem dem Maire Hall. Im Diözesanarchiv Köln fand ich eine Anzahl ergänzender Schriftstücke; auch hier waren Schreiben an und von dem Maire dabei.
Im Zülpicher Rathaus gibt es eine Ahnengalerie der Bürgermeister, doch sie beginnt mit Hermann-Josef Wachendorf, der sein Amt im Jahre 1816 antrat. Erst bei Recherchen im Stadtarchiv fanden sich schließlich die Hallschen Papiere, die ein wenig Licht auf seine Person werfen. Zu meiner Überraschung war auch ein Brief des Herzog von Arenberg dabei, der im Buch etwas gekürzt zitiert wird.
Was war das für ein Mann, den ein hochgeborener Fürst seiner Freundschaft ver-sichert? In allen Veröffentlichungen über Zülpich kommt er allenfalls in seiner Eigenschaft als Maire vor oder als Retter und Schwiegervater des Dauphin Ludwig XVII., eine schöne Geschichte, aber eben reine Fantasie. Ich habe dann, angefangen bei den Personenstands-registerm, versucht, mehr über ihn zu erfahren.
Nun ist Ludwig Hall ja keine berühmte Persönlichkeit. Es gab daher nur die Möglich-keit, Stichworte wie seine Berufsbezeichnung in der Beurkundung seiner Trauung aufzu-greifen, wenn man mehr erfahren wollte. Im Schloß Vincennes bei Paris fand ich das Dossier Hall und die Geschichte des Regiments de la Marck, in den Archives Nationales die Regimentsliste mit den Namen der Offiziere. Da Hall auch mit dem Baron Hompesch in Kontakt gestanden hatte, eröffnete sich hier ein weiterer Weg, um an Informationen zu gelangen, denn von diesen Adelsfamilien existieren meist eigene Archive. Nachdem ich im Franziskanerkloster in Enghien den Brief Halls an denn Herzog von Arenberg aus dem Jahr 1809 gefunden hatte, ergab sich nach der Wende auch die Möglichkeit, den Nachlaß Hompesch im Mährischen Landesarchiv in Brünn einzusehen, wenn auch unter ziemlich abenteuerlichen Bedingungen.




Natürlich bin ich nicht dreißig Jahre lang nur herumgereist, um dieses Buch zu schrei-ben. Neben der Familie haben mich auch die Vorbereitung und Durchführung der Chlodwig-ausstellung 1996 und die darauf folgenden Aktivitäten des Geschichtsvereins durchaus be-schäftigt; an ein Buch habe ich auch lange Zeit gar nicht gedacht. Ich habe allerdings häufig im Bestand Roer-Departement im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf recherchiert, auf Reisen die Gelegenheiten wahrgenommen, die sich boten, und in Brüssel die Prozessakten Meinertz-hagen und die im Buch erwähnten Briefe Halls an den Herzog von Arenberg in dieser Sache gefunden.
Nachdem das Material schließlich sehr zahlreich geworden war, habe ich mit diesen Informationen im Kopf zu schildern versucht, wie die ganz normalen Leute diese Zeit erlebt haben mögen, in der sie ziemlich abrupt von ihrer immer noch fast mittelalterlichen Lebens-weise in die Moderne katapultiert wurden und fast nichts mehr so blieb, wie es einmal war. Das gilt natürlich ganz besonders für den Maire, dessen Aufgaben sich von denen eines Bürgermeisters im ançien régime völlig unterschieden. Hall und seine Kollegen haben als erste den Weg beschritten, der unter ihren Nachfolgern zu dem Amtsverständnis führte, das wir heute kennen.
Dass er in Zülpich heute völlig unbekannt ist, hat seinen Grund gewiß in der politischen Entwicklung jener Jahre. Als das Rheinland nach dem Sturz Napoleons zum zweiten Mal „befreit“ und unter preußische Herrschaft gekommen war, sollte die 20jährige Zugehörigkeit zu Frankreich, die sogenannte Fremdherrschaft, nach dem Willen der Obrigkeit möglichst bald in Vergessenheit geraten.
Der Maire Hall dürfte wohl der interessanteste und ungewöhnlichste Bürgermeister gewesen sein, den Zülpich je gehabt hat. Das hat mich dazu veranlasst, sein Leben, sein Umfeld und, soweit das möglich war, seine Person in einer Roman-Biographie darzustellen."

- Ingeborg Vianden

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