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Renan Demirkan

Migration

das unbekannte Leben

Genre: Sachbuch/Essay
Seiten: 160
ISBN: 978-3-955466-45-0
Bemerkung

EUR 14,00

Anzahl

Dieser Band versammelt Texte aus 33 Jahren, die für verschiedene Anlässe geschrieben und in unterschiedlichen Formen und Medien publiziert wurden, überwiegend als gesprochenes Wort bei Veranstaltungen oder auf der Theaterbühne. In gedruckter Form werden sie hier mehrheitlich erstmals veröffentlicht. Zuhause in der Zukunft wurde eigens für diesen Band geschrieben.

Renan Demirkan zu ihrem Buch:

Ich wäre die „erste öffentliche Türkin“ gewesen, schrieb Özlem Topçu in der Zeit im Oktober 2011 — fünfzig Jahre nach dem Anwerbeabkommen mit der Türkei. Was sie nicht wissen konnte war, dass ich mich selbst erst hier — und das auch erst mit 25 Jahren — überhaupt als Türkin zu empfinden begann.
Denn in der Türkei und im Bewusstsein meiner Familie waren wir Tscherkessen, mit einem türkischen Pass zwar, aber kulturell, samt Sprache, Sitten, Bräuchen und Ritualen, gehörten wir nicht in die türkische Mehrheitsgesellschaft. Wir waren eine Minderheit, die drinnen Tscherkessisch sprach und draußen Türkisch.

Erst hier unterhielten sich meine Eltern durchgehend in der anatolischen Amtssprache und benutzten Tscherkessisch als eine Art Geheimcode, wenn wir Kinder nichts verstehen sollten. Anfangs sprach mein Vater sogar nur Deutsch mit uns, auch am Esstisch, damit sich diese ‚Drinnen- und Draußensprache’ hier erst gar nicht entwickeln sollte.
So sprach ich sehr bald akzentfrei und empfand auch überhaupt keinen Unterschied zu meiner Umgebung, und meine Umgebung auch nicht zu mir. Bis ich auf die Bühne ging…

Damit begann — nur unwesentlich später — auch meine öffentliche Beschäftigung und Auseinandersetzung mit dem Thema Migration in all seinen Ausprägungen und Facetten. Ein Thema — eine Aufgabe! —, die mich bis zum heutigen Tag nicht losgelassen hat. Im Gegenteil.
Dieses Buch ist eine Zusammenfassung meiner Bemühungen als Autorin und Schauspielerin mit ‚Migrationshintergrund’, mitzugestalten und teilzuhaben, mich sichtbar zu machen und zu verstehen, auch aufzuklären, zu helfen, anzukommen und anzuwachsen.

Kein Mensch fühlt sich von sich aus als Ausländer, solange er nicht zu einem Ausländer gemacht wird.

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